2. Woche Fernunterricht mit der G Suite for Education

30Mrz

2. Woche Fernunterricht mit der G Suite for Education

Jetzt starten wir bereits in die 3. Woche Fernunterricht und mir kommt vor, es ist sehr viel passiert innerhalb dieser Zeit. Wobei ich damit nicht Corona oder die Wirtschaft meine, sondern euren Zugang zum Fernunterricht und der Nutzung digitaler Hilfsmittel allgemein.

Willst du wissen, was Fernunterricht und Heimunterricht unterscheidet, dann schau dir das an.

Gedanken meinerseits

Unsere Schüler kooperieren und kollaborieren sehr gut miteinander, und nicht zu vergessen, bzw. als grundsätzliche Grundlage dafür: Die Persönlichkeitsbildung im Vorfeld bei uns in der Schule! Das Miteinander und Füreinander, das gegenseitige Helfen und Unterstützen, gleichzeitig auch die eigene Meinung vertreten können und wollen. Diese Merkmale unserer SchülerInnen sind mir speziell jetzt, in diesen “komischen” Schulzeiten, noch mehr aufgefallen als sonst! Ebenso die Fähigkeit und Bereitschaft der SchülerInnen, fast täglich neue Lerninhalte, wie auch neue Apps oder sonstige Tools kennen, und zielführend anzuwenden, lernen. Auch das ist nicht selbstverständlich und speziell wir Lehrer sind dafür verantwortlich, dieses Feuer der Neugierde und Motivation unserer Lernenden immer wieder auf’s Neue zu entfachen! Einige werden “Speitln” brauchen, andere sogar Brandbeschleuniger. Wieder andere lösen, getrieben von Eigeninteresse und Ehrgeiz, gleich einen Flächenbrand aus, brauchen dann aber auch ein Löschkommando und allesamt brauchen sie Orientierung. Dafür sind wir da. Das ist unser Job! 


Halbwegs an Mensch daraus machen …

Ich erinnere mich daran, als ob es heute gewesen wäre: Mein erster Tag im halbjährigen Schulpraktikum an der HAK Hall in Tirol…. Gruppenarbeit vorbereitet… 3 Räume… Dann kommt schon ein Schüler, Blut strömt aus der Nase, sehr viel Blut, auch am Pullover, am Boden, überall…. Jedenfalls war die Nase gebrochen, eine Mitschülerin hat ihm eine geknallt, er war angeblich nicht Herr seiner Hände… Danach 1. Besprechung (es gab nur 2 in diesem halben Jahr) mit meinem Praktikumsbetreuer, der sein letztes Dienstjahr anging. Ich voll perplex wegen der blutigen Aktion…

Er zu mir: “So ku’s gehhat er’s immer noch nicht kapiert, dass sie nicht auf ihn steht! Jetzt muss i wieder schauen, dass des ohne Anzeige abläuft….” Dann kam er zu mir und sagte: “Es ischh jo egaal, ob der iaaz de oane ÖNORM oder den Buchungssatz kuu oder nid, wichtig isch owaa, daas mir an Menschen draus mochn. Des is des wos zählt! Ob der de ÖNORM noch da Schui ku oder nid, wenn er a Mensch is, der Lerna glernt hot und de Einstellung mit dazua, noand ku der ois lerna was er braucht. Ob er des hiaz ku oder nid, wichtig isch, dass er si’sch selber schnell aneigenen ku, wenn er des will. Halbwegs an Mensch draus machen, dann kennan ma scho zufrieden sein!”

Dieser Satz, halbwegs an Mensch daraus zu machen, hat sich bei mir eingebrannt. Dazu gehört für mich ganz klar eine ausgeprägte digitale Kompetenz. Gerade in Zeiten wie diesen wird das noch offensichtlicher. Egal, welche Branche, egal, welcher Job, ohne grundlegende digitale Kompetenzen wird die Zukunft für unsere Jugend, weder familiär, noch beruflich, zu meistern sein!


Wir haben Nachholbedarf

Keine der österreichischen Unis schafft es, unter die TOP 175 der Welt (Uni Wien auf Platz 175). Wobei Wien mehrmals als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet wurde. Bei den Bildungsausgaben pro Schüler sind wir stark, bei deren Auswirkungen leider nicht (https://www.agenda-austria.at/grafiken/bildungsausgaben-im-europaeischen-vergleich/).

Erschwerend kommt hinzu, dass wir Österreicher immer glauben, der Zenit der (technologischen) Entwicklung zu sein. Da muss ich euch, wie auch viele Entscheidungsträger in diesem Bereich, leider enttäuschen. Wir sind weit abgeschlagen, wir sind Jahre hinten nach, uns fehlt der Weitblick und der Mut zur Innovation, aber engere Fesseln der Bürokratie machen das auch nicht besser! Fakten wie… Beim Innovations-Index, bei dem es 3 Abstufungen der Staaten je nach Leistung/Potential gibt, schafft es Österreich nicht einmal auf Stufe 3! Gleichzeitig haben wir eine der höchsten Forschungs- und Entwicklungsausgaben innerhalb der EU! (siehe https://www.derstandard.at/story/2000095872696/oesterreich-mit-zweithoechsten-forschungsausgaben-in-eu-2017)

Andere machen es besser – wir schauen weg

Ich bin, einer der Wenigen, der auch über den Tellerrand blickt, und sich mit vielen internationalen Experten austauschen kann/will/darf. Die sind dann sehr erfreut und auch überrascht – haben sie Österreich doch eher als “Niemandsland” im Kopf… Und diese Meinung haben sie leider nicht zu unrecht! Gerade weil ich über den Tellerrand blicke, die digitale Transformation der Bildung weltweit beobachte und mitgestalte, mache ich mir begründete Sorgen über diese Entwicklungen und vor allem um unsere Jugend. Denn sie können nichts dafür, dass ihnen zukunftsweisende Kompetenzen, aufgrund mangelnder technischer Infrastruktur (nicht überall), vor allem aber aufgrund mangelnder digital-didaktischer Professionalität vorenthalten wurden, und sie deshalb nur in Ausnahmefällen (Autodidakten…) für Innovationen verantwortlich sein, bzw. als gleichwertige Partner angesehen werden.

Dass die angesprochende digital-didiaktische Professionalität bei den Lehrern nicht, oder nur in Ausnahmefällen, zu finden ist, darf ihnen aber nicht vorgeworfen werden. Den Lehrern wurde schlichtweg keine vernünftige Möglichkeit dafür geboten. Wie weiter unten thematisiert, lassen sich Konstrukte wie erweiterter Horizont, gesteigerte Motivation oder mehr Zufriedenheit nur schwer monetär abbilden. Noch schwieriger wird es bei den externen Effekte auf das Klassenzimmer. Aber grundsätzlich sind wir uns alle einig, dass Investitionen in die Bildung, gute Investitionen sind, die „nachhaltig“ wirken und auch dem Staat zu gute kommen werden/sollten. Doch leider hatten wir keine Zeit dafür. Bei Fortbildungsangeboten laufen die „Investoren“ bei 300% Rendite davon, damit sie anderswo mit gutem Gewissen 50% verlieren, aber so ist das… Dank cognitive biases, verlangen sie auch noch Applaus dafür.

Menschlichere Kennzahlen binden Mitarbeiter, steigern Produktivität und Zufriedenheit und begünstigen Innovation

Wie ihr wisst, steht für mich der Lernende und der Lehrende im Mittelpunkt. Neben gängigen Kennzahlen wie dem ROI (return on investment) oder den TCO (total cost of ownership), habe ich mich offiziell dazu bekannt, die Zufriedenheit der User (Lehrer und Schüler), deren Akzeptanz der Anwendungen (Häufigkeit, Dauer, Anzahl der Supportanfragen, …) und die nachweisliche Zeiteinsparung (systembedingte Produktivitätssteigerung) als Kennzahlen für den Vergleich von IT-Systemen heranzuziehen. Denn Kennzahlen wie der ROI oder die TCO sind beim Management beliebt, es geht, wie sonst auch oft, um monetäre Einsparungen, die dem “menschlichen” Faktor wenig Rechnung tragen. Das ist meiner Meinung nach ein großer Fehler!

Wenn durch einfache, funktionierende Technologie pro Mitarbeiter nur zwei Stunden pro Woche eingespart werden können (es werden mehr als nur 2 sein!), dann sind das bei 50 Mitarbeitern 100 Stunden pro Woche. Die Chefin/der Chef könnte diese 100 Stunden den Mitarbeitern schenken, denn sie haben (mind.) dasselbe erreicht, nur einfacher und effizienter. Wieso waren sie effizienter? Weil die Technologie und Organisation im Hintergrund funktioniert hat. Kein ewiges Suchen nach Dateien oder Mails, keine Zig-Versionen von Dokumenten, die in einer Mail-Schleife rundum gesendet werden, keine Mehrfachspeicherung von Dateien, Kontakten oder Ressourcen. Kollaboration heißt das Stichwort für die Zukunft und die Cloud macht das möglich!

Technologie wird vorausgesetzt

Funktionierende Technologie ist heutzutage kein Motivationsfaktor mehr, sondern vielmehr ein Hygienefaktor (vgl. Herzberg). Sprich funktionierende Technologie führt zu keinem Wow-Effekt, sondern wird vorausgesetzt und kann bei Nicht-Erfüllung nur zu Unzufriedenheit führen (typisches Bsp. WiFi im Hotel).

Ebenso ist es in der Schule. In Bezug auf die IT-Infrastruktur ist ein funktionierendes WLAN derzeit fast noch ein Alleinstellungsmerkmal einer Schule und, wie die Studie der Bitkom ganz unten zeigt, sind genau diese Aspekte von den Schülerinnen und Schülern gefragt, bzw., im Sinne von zuvor zitiertem Frederick Herzberg, sogar vorausgesetzt, um überhaupt in die Auswahl der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu kommen. Daher auch mein Appell an alle Schulen: Macht eure Hausaufgaben!

Schulen brauchen WLAN

Die Frage, ob und wie viel eine Schule in ein flächendeckendes, gut funktionierendes und zentral verwaltbares WLAN investieren soll, darf eigentlich keine Frage sein, sondern eine Forderung. Schulen sollen das einfordern, denn sie werden es brauchen!
Bald, sofort, am besten gestern!

Funktionierendes WLAN bringt niedrigere Kosten und höhere Produktivität

Und hier sollte bitte nicht gespart werden! Das wäre der falsche Ort! Denn jeder Tag ohne funktionierendes WLAN kostet nicht nur viel Geld, sondern auch menschliche Aspekte (Motivation, Zufriedenheit, Kreativität, …) leiden darunter. Diese Konstrukte sind nur ansatzweise in Geldwerten auszudrücken. Von Opportunitätskosten will ich jetzt gar nicht erst anfangen! Auch ohne diese tiefgreifenden Gewinne, amortisiert sich eine umfangreiche Investition ins WLAN (Ansatzpunkt ca. € 3.000,– Einmalinvestition pro 100 Schüler inkl. Installation für „normale“ Schulen ohne Internat) innerhalb von ca. 4 Jahren rein durch die Einsparungen an Druckkosten. -Das kommt der Umwelt auch zugute und hat noch viele weitere Vorteile. Wenn du mehr darüber wissen willst, dann melde dich bei mir.


Ergebnisse nach Woche 2 im Fernunterricht

Die spannendsten Sachen, die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, werden Ende dieser Woche ergänzt.

Schüler wollen Digitalisierung

Schaut euch mal diesen Beitrag an, der auf einer Befragung von 503 Schülerinnen und Schülern zw. 14 und 18 Jahren basiert, woraus folgende Zeilen stammen:

Die überwältigende Mehrheit, 83 Prozent, der Schüler und Schülerinnen sieht in der Digitalisierung ihrer Schule und des Unterrichts eine Chance. Fast alle, 93 Prozent, sagen: Digitale Medien machten den Unterricht interessanter. Eine große Mehrheit sagt: Mit digitalen Medien könne Schule eher auf individuelle Bedürfnisse eingehen und Schüler würden Inhalte besser verstehen.

https://bit.ly/3dzW6sC

Und so lässt sich aus den Antworten der Schüler und Schülerinnen eine eindeutige Forderung ableiten. Denn eine Frage lautete: Was sind die drängendsten Probleme an Deiner Schule? Zur Auswahl standen unter anderem Unterrichtsausfall, baufällige Gebäude, inkompetente Lehrer. Doch kein Problem bekam mehr Stimmen als: „Fehlender Einsatz digitaler Medien“ und „Schlechte technische Ausstattung“

https://bit.ly/3dzW6sC

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